Alle Ratgeber
Von Joshua Supply

Ankern auf den Kanaren: Schutz, Dünung und örtliche Regeln

Wind und Dünung beurteilen, vier Gebiete auf den Kanaren vergleichen, Genehmigungen klären und einen Ankerplatz mit brauchbarer Ausweichmöglichkeit wählen.

Veröffentlicht am

Illustration einer Segelyacht vor Anker an einer vulkanischen Küste der Kanarischen Inseln.

Ein ruhiger Ankerplatz am Nachmittag und ein erholsamer Übernachtungsplatz stellen unterschiedliche Anforderungen. Etwas Rollen beim Mittagessen lässt sich vielleicht gut hinnehmen; nach Einbruch der Dunkelheit kann dieselbe Bewegung zermürben. Kommen ein angekündigter Winddreher, eine unklare Anlandemöglichkeit oder wenig Schwojraum hinzu, kann eine schöne Bucht für genau diese Nacht die falsche Wahl sein.

Wählt auf den Kanaren Ankerplatz, Aufenthaltsdauer und Ausweichmöglichkeit gemeinsam. Die entscheidende Frage lautet: Passt dieser Platz auch noch, wenn die nächste Änderung eintritt?

Windschutz und Schutz vor Dünung getrennt betrachten

Auch bei Windstille kann Dünung aus weit entfernten Gebieten eintreffen. Seegangsvorhersagen für offene See erfassen zudem nicht jede Bucht: Meeresboden und Küstenform beeinflussen die Verhältnisse in Ufernähe. Puertos del Estado erläutert diesen Unterschied.

Prüft auf der Seekarte, aus welchen Richtungen offenes Wasser in den vorgesehenen Ankerplatz hineinreicht. Vergleicht diese Richtungen anschließend getrennt mit der Wind- und der Dünungsvorhersage. Land zwischen Boot und Wind bietet Schutz; Dünung, die durch die Buchteinfahrt läuft, verlangt trotzdem eine eigene Beurteilung.

Nehmt euch vor der Entscheidung Zeit zum Beobachten. Schwojen die Boote lediglich um ihre Anker, oder rollen sie anhaltend quer zur Dünung? Brechen Wellengruppen an der vorgesehenen Anlandestelle für das Beiboot? Ist die scheinbar freie Ecke vielleicht deshalb leer, weil sie weniger Platz oder Schutz bietet? Eine schwierige Anlandung kann den Plan zunichtemachen, obwohl die Yacht selbst sicher liegt.

Die Inselvorhersage lesen, nicht nur den Windpfeil

AEMET beschreibt eine örtliche Beschleunigung des Küstenwinds auf Gran Canaria und Teneriffa, auch bei Nordostpassat. Die Untersuchung zu Küstenjets verdeutlicht die Bedeutung der örtlichen Lage.

Für die Planung heißt das: Prüft Ansteuerung und Weiterfahrt ebenso sorgfältig wie den Platz, an dem ihr schlafen möchtet. Eine angenehme Leelage kann die Verhältnisse hinter dem nächsten Kap verbergen. Lasst genug Zeit, um eine zweite Möglichkeit zu beurteilen, solange die Crew ausgeruht ist und die Sicht noch hilft.

Beginnt mit AEMETs Seewettervorhersagen und wählt das betreffende kanarische Küstengebiet. Vergleicht die Vorhersage mit verfügbaren Beobachtungen in Portus von Puertos del Estado. Achtet auf Ausgabezeit, Einheiten und darauf, ob Zeitangaben in UTC erfolgen. Lest die Entwicklung bis durch die Nacht und zur geplanten Abfahrt, statt bei der Ankunftszeit aufzuhören.

Vier Gebiete mit unterschiedlichen Fragen

Diese Beispiele dienen der Törnplanung. Sie bestätigen weder die Sicherheit eines bestimmten Platzes noch, dass dort geankert werden darf oder Platz frei ist.

Playa Francesa, La Graciosa

Playa Francesa liegt an der El Río zugewandten Seite La Graciosas. Betrachtet den Ankerplatz vor dem Strand getrennt vom Hafen Caleta del Sebo und vom größeren Schutzgebiet Chinijo. Eine positive Einschätzung des einen sagt wenig über Genehmigungen oder Wetterexposition der anderen aus.

Lasst euch vor der Festlegung auf dieses Ziel vom Umweltdienst des Cabildo de Lanzarote das aktuelle Antragsverfahren, das zulässige Ankergebiet, die Termine und mögliche Bedingungen für den Landgang bestätigen. Zum 13. Oktober 2026 konnten wir weder eine aktuelle amtliche Antragsfrist noch ein vollständiges Verfahren für die Ankergenehmigung verifizieren. Plant den Törn deshalb nicht anhand eines alten Formulars zum Herunterladen. Die Genehmigung der kanarischen Regierung für die Freizeitfischerei betrifft das Angeln; sie klärt keine Erlaubnis zum Ankern.

Papagayo und die Umgebung von Playa Blanca, Lanzarote

Die offizielle Tourismuswebsite der Kanaren verortet Papagayo im Süden Lanzarotes innerhalb von Los Ajaches. Vergleicht mithilfe der Seekarte die einzelnen Buchten, ihre Öffnungen und die umliegenden Häfen.

Fragt euch für die konkrete Entscheidung, was geschieht, wenn Wind oder Dünung später durch die jeweilige Öffnung einlaufen. Prüft Badezonen und örtliche Hinweise, bevor ihr eine Position auswählt; andere ankernde Yachten belegen keine Erlaubnis. Gehört ein Landgang zum Plan, beobachtet die Anlandestelle über mehrere Wellengruppen, bevor ihr mit dem Beiboot hineinfahrt. Ein Liegeplatz im Raum Playa Blanca ist erst dann eine Ausweichmöglichkeit, wenn Zugang und Verfügbarkeit bestätigt sind.

Lobos und Corralejo, Fuerteventura

Behandelt einen Stopp bei Lobos und einen Inselbesuch als zwei getrennte Vorhaben. Die aktuelle Antragsübersicht des Cabildo verweist Inselbesucher für die Genehmigung auf LobosPass. Diese Besuchserlaubnis legt nicht fest, wo eine private Yacht ankern darf; ein vollständiges aktuelles Verfahren für eine Ankergenehmigung konnten wir nicht verifizieren.

Prüft auch Corralejo, bevor ihr den Ort als Ausweichhafen eintragt. Puertos Canarios warnt vor felsigen Untiefen und Wellen aus dem Nordost- und Südostquadranten an der Einfahrt. Berücksichtigt die aktuelle Seekarte, den Verkehr, die Hafenanweisungen und die Verhältnisse zu der Zeit, zu der ihr tatsächlich dort ankommen würdet.

Arguineguín, Südwesten Gran Canarias

Puertos Canarios beschreibt Arguineguíns Lage an Gran Canarias Südwestküste und veröffentlicht Informationen zu Liegeplatz- und Ankergenehmigungen. Die Hafenbeschreibung gilt für den Hafen, nicht für jede benachbarte Wasserfläche.

Unterscheidet hier besonders zwischen einem geschlossenen Hafenbecken und einem Ankerplatz an offener Küste. Beurteilt die genaue Öffnung, die Vorhersage für die Nacht und den Platz nach einem Winddreher. Fragt beim Hafen nach, welche Angebote für euer Boot und eure Termine verfügbar sind. Ein eingereichter Antrag oder eine scheinbar freie Stelle bedeutet noch keine bestätigte Zuweisung.

Unter das Boot und rundherum schauen

Wählt einen zulässigen Bereich des Meeresbodens, der sowohl für den Anker als auch für die Bewegung der Kette groß genug ist. Klares Wasser erleichtert die Beobachtung, doch die Farbe allein verrät weder Grundbeschaffenheit noch Tiefe zuverlässig. Haltet das Ankergeschirr von Bewuchs fern. Schutzvorschriften können ausdrücklich sein: Im Schutzgebiet Sebadales del Sur de Tenerife nennt MITECO ein Ankerverbot auf Seegras.

Prüft die geringste Tiefe im Verlauf der Tide und berücksichtigt Echolotbezug, Tiefgang und Bootsbewegungen. Bestimmt die notwendige Länge von Kette oder Trosse anhand der Ausrüstung, der Bedingungen und der gesamten Tiefe von der Bugrolle bis zum Grund; prüft dann, ob der Schwojraum ausreicht. Weniger Kette auszubringen, nur um zwischen die Nachbarn zu passen, löst das Platzproblem nicht.

Kurze Checkliste für Ankunft und Nacht

  • Erlaubnis und Hinweise: Klärt die betreffende Zone, erforderliche Genehmigungen und aktuelle Einschränkungen. Nutzt die nautischen Warnnachrichten von Salvamento Marítimo zusammen mit aktuellen Seekarten und örtlichen Anweisungen.
  • Wetterfenster: Notiert Windrichtung, Böen sowie Richtung, Höhe und Periode der Dünung und die nächste erwartete Änderung.
  • Schwojraum: Berücksichtigt Nachbarboote, Untiefen, Ufer, feste Liegeplätze und den Platz zum Ankeraufholen.
  • Halt: Prüft anhand der Position und von Landmarken, ob sich das Boot eingependelt hat und der Anker hält. Stellt einen geeigneten Ankeralarm als zusätzliche Wachhilfe ein.
  • Crew und Ausrüstung: Vereinbart, wer die Bedingungen kontrolliert, wie alle wieder an Bord kommen und ob sich der Anker zügig aufholen lässt.
  • Ausweichplan: Legt Ziel, Einschränkungen bei dessen Ansteuerung und den spätesten sinnvollen Abfahrtszeitpunkt fest.

Bewegt sich das Boot weiter auf eine Gefahr zu, überfordert die zunehmende Dünung die Crew oder schließt sich das Auslauffenster, nutzt die Alternative, solange sie noch praktikabel ist. Ungeklärte Erlaubnis, zu wenig Platz oder unsicherer Halt sind Gründe für einen anderen Stopp.

Behebt Ausrüstungsprobleme vor der Abfahrt; unser Leitfaden zur Suche nach Bootsteilen auf den Kanaren hilft bei den Arbeiten an Land. Führt aktuelle Seekarten mit und beachtet örtliche Anweisungen: Dieser Artikel ist eine Planungshilfe, keine Karte für die Ansteuerung.

Quellen geprüft am 13. Oktober 2026. Das Titelbild ist eine generierte Illustration, kein Foto und keine Seekarte.

Illustration einer Marina und nautischer Ersatzteilvorräte

Bootsersatzteile auf den Kanaren finden: ein praktischer Suchplan

Das Teil bestimmen, passende Unternehmen finden und Details klären, bevor du auf den Kanaren losfährst oder bestellst.